Wenn Naughty Bear den Wald terrorisiert, hält kein Baumwollfaden den Plüsch im bärigen Pelz der „Glücksbärchi“-Kollegen. Denn dieser eine Bär tickt etwas anders als der Rest der Bande – nämlich völlig aus. Kein Wunder, ist er doch seit Langem Gespött der anderen. Hat sich Entwickler 505 Games mit dieser Idee ebenfalls Spott und Hohn verdient?
Am Anfang war die Feier
Die „Insel der Vollkommenheit“, also das klingt paradiesisch. Perfekt ist es dort aber bei weitem nicht. Bewohnt wird die Insel von bunten Teddybären, die ein ebenso buntes und natürlich glückliches Leben führen. Der titelgebende Naughty Bear wird allerdings permanent schikaniert und im besten Falle einfach nur ausgegrenzt, denn er ist nicht gerad der hübscheste Geselle mit seinen Flicken und obendrein dauerhaft übel gelaunt. Man fragt sich unweigerlich, was, bildlich gesprochen, zuerst da war: Das Huhn oder das Ei?
Eines Tages steht mal wieder eine Geburtstagsparty an und unser „Held“ ist nicht eingeladen. Es reicht ihm, das Fass läuft über und Rachepläne werden geschmiedet. Büßen sollen sie! Naughty Bear wird zum eiskalten Killer und verwandelt die idyllische Szenerie in einen wortwörtlichen Friedhof der Kuscheltiere.
Wenn Furcht zur Manie wird
Fortan gilt es also Angst und Schrecken zu verbreiten, wofür ihr Punkte erhaltet. Diese lassen sich dann später gegen Kostüme und anderen Schnick Schnack eintauschen. Ausgerüstete Kleidungsstücke verbessern eure Fähigkeiten. So sorgt beispielsweise ein Partyhütchen (welch Ironie) für einen deutlich stärkeren Angriff. Bei besonders fiesen Aktionen steigt euer Punktemultiplikator (bis zu maximal 100-fach) in die Höhe. Zusätzlich beeinflussen die gesammelten Punkte, welchen Pokal ihr am Ende einer Mission bekommt – Bronze, Silber oder Gold.
Diese Spielmechanik ist schon sehr simpel gehalten, doch wirklich erschreckend inhaltsleer wird es, wenn ihr feststellen müsst, dass es im Grunde nur um eines geht: Töten. Klar, ihr könnt den nicht auszuhaltend glücklichen Bären Fallen stellen und sie, abgelenkt wie sie sind, leichter erschrecken und manchmal gar in den Selbstmord treiben. Aber von Taktik zu sprechen wäre lächerlich. Klares Hauptaugenmerk legten die Entwickler auf möglichst kreative Arten eure Opfer über den Jordan zu schicken.
Neben der konventionellen Weise mit einer Schlag- oder Schusswaffe, lässt sich auch die Umwelt manipulieren. Ein defekter Grill beispielsweise lockt schnell einen heimwerklich begabten Bären herbei, der nach getaner Reparatur unfreiwillige Bekanntschaft mit dem heißen Rost macht. Finishing-Moves ist das Stichwort und diese sind wirklich brutal in Szene gesetzt. Zwar wurde Blut durch Watte ersetzt und TV Shows wie „Happy Tree Friends“ sind eindeutig eine Ecke derber, doch gehört Naughty Bear zweifellos, trotz überzeichneter Comic-Gewalt, nicht in Kinderhände.
Die Eintönigkeit des Tötens
Naughty Bear ist in sieben Kapitel unterteilt, in denen es stets gilt eine ganz besondere Person auszuschalten, doch nur eine gewisse Anzahl an Pokalen ermöglicht es euch, zum nächsten Abschnitt zu gelangen. Das heißt im Klartext, dass ihr unter leicht veränderten Voraussetzungen im Grunde wieder und wieder gleiche Abschnitte zu spielen habt, nur um immer wieder das gleiche zu tun: Töten. Kling langweilig und ist es auf Dauer auch. Abwechslung sucht ihr vergebens, denn auch in der Gegnervielfalt weist Naughty Bear reichlich Defizite auf. Lediglich Ninja- und Soldaten-Bären bringen kurzzeitig Würze ins Spiel, wenngleich auch diese nicht lang anhält.
Gerade das Auftauchen der Polizei solltet ihr vermeiden, indem ihr, wie könnte es anders sein, Fluchtversuche oder rettende Telefonate eurer Erzfeinde frühzeitig erkennt und mit tödlichem Effekt verhindert. Gelingt es dennoch einen Notruf abzusetzen, bleibt euch noch die Tarnfunktion eures ramponierten Bären. Zu dumm, dass diese zugleich die miese K.I. entlarvt. Hockt ihr euch nämlich in die Büsche, seid ihr quasi unsichtbar. Selbst wenn ein gegnerischer Bär vor euch stehen sollte, ihr ihn sogar anschießt, dürft ihr dennoch nicht erwarten gesehen zu werden – traurig.
Hässlich ist nicht nur der Bär
Alles andere als erfreut sind wir auch in Sachen grafischer Präsentation, denn obwohl Naughty Bear ohnehin nicht gerade protzt, gerät selbst dieses Knuddel-Optik-Geschehen gerne mal ins Wanken – auf der PS3 gar ins heftige Ruckeln. Plötzlich aufpoppende Gegenstände und lange Ladezeiten komplettieren den ziemlich miesen Eindruck. Die musikalische Untermalung erinnert an Kindersendungen und hat durch das brutale Geschehen natürlich etwas Zynisches. Manch einem mag das gefallen, uns hat es eher genervt – ebenso wie der Erzähler.
Dass Naughty Bear dem Trend folgt und ebenso einen Multiplayer-Modus spendiert bekam, ist leider auch kein Grund zur Freude. Innovation sucht man vergebens (Deathmatch- und Capture the Flag-Varianten) und wirklich unterhaltsam ist er auch nicht. Uns plagten gar etliche Verbindungsprobleme, so dass jeglicher Kaufgrund im Keim erstickt wird.