Das Erfolgsrezept von Darksiders ist ganz einfach: Man nehme einen düsteren Antihelden, statte ihn mit brutalen Kampftechniken sowie verschiedenen Mordutensilien aus, entlasse ihn in eine zerstörte Welt, wo er nicht nur gegen Dämonen, sondern auch gegen Engel kämpfen muss und würze das alles mit einer gehörigen Portion Rätsel und einer schicken Comic-Grafik. Fertig ist ein Action-Potpourri, das zeitweise etwas fade schmeckt.
Kriegstreiber
Eigentlich hätte alles ganz einfach sein können: Die Reiter der Apokalypse werden gerufen, sie bringen den Weltuntergang und der alte Konflikt zwischen Himmel und Hölle wird endgültig entschieden. Blöd nur, wenn lediglich ein Reiter mit dem treffenden Namen „Krieg“ auftaucht und damit die Ordnung des Universums aus dem Gleichgewicht bringt.
Um das Chaos zu beseitigen, wird Krieg vom Rat des Universums wieder auf die Erde entsandt, um den oder die Schuldigen für das Schlamassel ausfindig zu machen. Als Spieler übernehmt ihr den robusten Kämpfer und prügelt euch durch eine Art „Best of Action-Games“. Wie Kratos geht Krieg nicht gerade zimperlich mit seinen Gegnern um. Ausgestattet mit einem mächtigen Schwert, einem gezackten Diskus, einer Pistole, Sense sowie weiteren Schlachtwerkzeugen verteilt er in bester Action-Manier ordentlich Schläge und kombiniert Waffen und zahlreiche Kampffähigkeiten zu spektakulären Kombos. Wenn Krieg außerdem lange genug auf Dämonen, Engel oder Spinnen eingeprügelt hat, darf er sich für kurze Zeit in einen Super-Dämon verwandeln, der alles platt macht. Finishing-Moves, bei denen Feinde oft ihre Extremitäten verlieren, gibt es natürlich auch.
Kämpfen…
Das Kamfsystem ist insgesamt ganz gut gelungen und bietet genau das, was man von einem Action-Adventure im Jahre 2010 erwartet. Belohnungen in Form von Seelen, die man bei einem zwielichtigen Dämon gegen neue Kampftechniken und Waffenverbesserungen eintauschen kann, dürfen da natürlich nicht fehlen. Die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten sind zwar eher begrenzt, die kleine Portion Rollenspiel-Elemente schadet dem Spiel aber nicht. Ein wenig mehr Auswahl wäre aber wünschenswert gewesenSchwerer fällt da schon ins Gewicht, dass ihr häufig gegen die immer gleichen Gegner antreten und dann zum gefühlten tausendsten Mal dieselbe Tötungssequenz ansehen müsst. Ein wenig schade ist des Weiteren die Tatsache, dass ihr bei der Fokus-Ansicht, bei der die Kamera nah ans Geschehen „ranzoomt“ , sehr oft die Übersicht verliert. Besonders bei großen Gegnermassen schlugen wir blind um uns, um unbeschadet aus dem Chaos zu entkommen. Mehr Feintuning und Abwechslung im Bezug auf die Gegnervielfalt hätte Darksiders sicher nicht geschadet.
… und denken
Das Action-Rad erfindet Darksiders ohnehin nicht neu, dennoch zählt das Spiel zu den besseren Spielen des Genres, denn langweilig wird es einem so gut wie nie. Das liegt mitunter am Spielrhythmus: Mal müsst ihr haufenweise Dämonen bekämpfen, danach auf einem Greif heranfliegende Engel abschießen und dann in bester Zelda-Manier Rätsel lösen.
Dieser Übergang von schneller Action zu ruhigen Passagen, wo ihr eure grauen Zellen anstrengen müsst, ist den Entwicklern sehr gut gelungen. Zwar wird auch bei den Rätselpassagen kein Neuland betreten, schlecht oder nervig sind die Rätsel aber nicht, sondern eine willkommene Ablenkung vom Kampf. Dieser wird übrigens, so wie die gesamte Welt, in einer sehr schicken Comic-Grafik dargestellt.
Besonders, wenn Krieg seiner Wut freien Lauf lässt, zeigt die Grafikengine ihre Stärken. Auch kleine Details wissen zu gefallen, beispielsweise sobald Krieg sein treues Schlachtross ruft und es feurig aus dem Boden herausschießt. Leider hat der schöne Schein seinen Preis, da besonders in weiten Arealen sehr starkes „Tearing“ auftritt.
Schaurig schöne Stimmen
Der Stimmung tut das aber keinen Abbruch, da insbesondere die hervorragenden Synchronsprecher für Atmosphäre sorgen. Auch die Orchesterklänge sowie die tollen Kampfgeräusche haben uns gefallen. Wer das Spiel auf Englisch spielt, bekommt die Stimme von Mark „Luke Skywalker“ Hamill zu hören, der Kriegs ständigen Beobachter spricht und dem zwielichtigen Dämon mit seiner fiesen Stimme Leben einhaucht. Dieses Unterfangen ist beim Hauptdarsteller leider nicht gelungen. Zwar kauft man dem Reiter ab, dass er nie den Friedensnobelpreis gewinnen wird, jedoch bleibt die Figur etwas blass und austauschbar. Auch die Story wirkt etwas aufgesetzt, dennoch will man wissen, wie es mit Krieg endet.