Capcom hat einen ganzen Fundus an alten Spielen, die nur auf ein Revival warten. Nach Bionic Commando unterzog Capcom in Zusammenarbeit mit Airtight Games dem 2-D Shooter Dark Void eine Frischzellenkur. Herausgekommen ist eine interessante Mischung aus zwei Shooter und Air-Shooter, die leider einige eklatante Schwächen aufweist. Welche das sind, klärt unser Test.
Deckungsspiel
Wenn man sich ärgert, geht man sprichwörtlich in die Luft. Will Grey, der Held von Dark Void, ärgert sich aber nicht über ein verlorenes Spiel seiner Fußballmannschaft, sondern über böse Roboter, die Menschen drangsalieren. Die Roboter stammen jedoch nicht aus der Zukunft und haben auch Nichts mit Sky Net zu tun, die menschenähnlichen Blechkameraden regieren ihr eigenes Reich im Paralleluniversum „Die Leere“, wo es Will und seine Ex-Freundin über das Bermuda Dreieck hinverschlagen hat. Da Will nichts Besseres zu tun hat und er ja ohnehin ein Mensch ist, schließt er sich dem Wiederstand der Artgenossen an und bekämpft die sogenannten „Beobachter“ auf festem Untergrund und in der Luft.
Dark Void schickt euch zunächst durch die bergigen Landschaften der Leere, wo ihr in bewehrter 3rd-Person-Shooter Manier mit Waffengewalt gegen die Roboter kämpft. Da Will zwar ein geborener Held aber nicht Superman ist, muss er bei den Feuergefechten nach geeigneten Deckungsmöglichkeiten Ausschau halten. Wie in Uncharted 2 und einem indizierten Shooter von Epic verschanzt ihr euch per Knopfdruck hinter Steinen und Felsen und nehmt die Roboter mit verschiedenen menschlichen und außerirdischen Schießprügeln unter Beschuss.
Eine Besonderheit im Kampf stellen die Auseinandersetzungen an steilen Felswänden dar. Diese laufen wie die Kämpfe auf flachen Ebenen ab, mit dem Unterschied, dass es steil Bergab geht. Ansonsten gilt es auch hier eine sichere Deckung zu suchen und auf die Kontrahenten zu ballern.
The Rocket Man
Neben den klassischen Kämpfen geht Will – nun nicht mehr sprichwörtlich – auch noch in die Luft. Ausgestattet mit einem raketenbetriebenen Rucksack macht er in bester Air-Shooter Manier Jagd auf die fliegenden Untertassen und andere Fluggeräte der Wächter. Dark Void spielt sich dann wie Blazing Angels oder Crimson Skies. Airtight Games war übrigens für die Xbox-Umsetzung von Crimson Skies verantwortlich.
Ausgestattet mit wendigen Manövern verwickelt der Held die Wächter in spannende „Dog-Fights“, ballert mit Raketen und seinen Maschinengewehren auf die Feinde oder kapert in einem etwas langwierigen Quick-Time-Event Flugzeuge der Aliens, schmeißt die Piloten aus dem Cockpit und übernimmt dann selbst den Steuerknüppel.
Die Idee der Entwickler, Schießereien zu Fuß mit Ausflügen in den Himmel zu verbinden, hat uns anfangs sehr gut gefallen. Besonders weil durch den Einsatz des Rucksacks die Schießereien um eine taktische Note erweitert wurden. Dank der einfachen und intuitiven Flugsteuerung konnten wir den Kämpfen in der Luft auch einiges abgewinnen, so wie den Ballereien auf dem Boden. Jedoch stellte sich schon nach etwa der Hälfte der Spielzeit, die Spieldauer beträgt cirka 7-10 Stunden, Ernüchterung ein. Das lag vor allem am eintönigen Missionsdesign. Oft bestehen die Missionen aus simplen „ Gehe dorthin und töte alle Feinde-Aufträgen“. Die Story des Spiels motiviert auch nur bedingt zum Weiterspielen, da man sich mit den blassen Charakteren nur schwer identifizieren kann und die Geschichte nur B-Movie-Qualitäten aufweist.
Dumm und durchschnittlich
Die größten Schwächen haben wir bei Dark Void aber bei der Präsentation und der k.I. der Gegner ausgemacht. Angesichts des mehr als dümmlichen Verhaltens der Feinde fragt man sich, warum die Menschen auf einen Helden wie Will warten mussten. Die künstliche Intelligenz, um es vorsichtig auszudrücken, ist teils eine einzige Katastrophe. Die Roboter gehen nach den immer gleichen Mustern vor, schießen in die falsche Richtung oder ignorieren euch schlicht. Im Luftkampf verlieren sie außerdem häufig die Orientierung, knallen gegen Felswände und sind so leichte Beute für Will.
Negativ auf den Spielspaß wirkt sich auch die schwache Grafik aus. Die Kämpfe in der Luft sehen zwar ganz manierlich aus, auch wissen einige Effekte, Explosionen und besonders große Gegner zu gefallen, insgesamt präsentiert sich die Umwelt aber in einem tristen Grau, weswegen Dark Void im Vergleich zu Grafikknallern wie Call of Duty: Modern Warfare 2 in jeglicher Hinsicht den Kürzeren zieht. Grafikschwächen wie nachladende Texturen und Kantenflimmern ziehen die Grafikwertung weiter nach unten. In Sachen Sound haben wir hingegen nur wenig zu beanstanden. Gut gefallen haben uns die wuchtigen Orchesterklänge und Soundeffekte bei den Flugeinlagen. Die englische Sprachausgabe verdient sich auch ein kleines Lob, jedoch sind manche Dialoge einfach nur peinlich und übertrieben pathetisch gehalten.