Eine epische Ankündigung umgab die Vorstellung von Sonys Shooterhoffnung MAG. Das Massive Action Game (MAG) sollte ganze 256 Revolverhelden zusammen auf eine Map zaubern. Auf der E3 Sony-Konferenz 2009 fragte man sich: Geht das? Eins sei jetzt schon versichert: Und wie das (ab)geht!
Warum MAG also zum Pflichtprogramm eines jeden PlayStation 3-Besitzers und Shooter-Fans gehören sollte, erfahrt ihr nun in unserem massiven Test.
Geschichten, die keiner braucht
Die Welt im Jahre 2025. Privatarmeen fechten weltweit ihre Kriege aus. Als zielstrebiger Söldner entscheidet ihr euch für eine von ihnen und tretet der Schlacht um Ruhm, Geld und Ehre bei. Nein, mit der Story kann uns MAG bestimmt nicht locken. Was diesen Shooter so reizvoll macht, ist eine ganz bestimmte Zahl, die wie ein Beben durch den Unterbauch von shooterbegeisterten Spielern geht. 2-5-6. So viele Spieler nämlich soll MAG gemeinsam an einer Schlacht teilhaben lassen können. Doch natürlich lässt man uns nicht sofort an den Massenschlachten teilhaben.
Wer sich in MAG austoben möchte, muss erst einmal die militärische Schulbank drücken. Zuvor müsst ihr euch aber noch für eine der drei wählbaren Fraktionen entscheiden, die an besagtem Krieg teilnehmen. Jede Partei hat ihre eigenen Fähigkeiten und fördert auf unterschiedliche Weise eure Talente. Der Valor-Konzern hat zum Beispiel unter seinem Banner das Know-How der amerikanischen und britischen Soldaten vereint. Bei Raven-Industries schwört man hingegen ganz klar auf Feuerkraft und Kapital. Die Einheiten der SVER setzen sich aus Terroristen und Untergrundkämpfern zusammen. Sie kennen die Grundlagen von Guerillakrieg und Sabotage und agieren meist verdeckt und im Verborgenen.
Zu den Waffen!
Oberflächlich, nüchtern und sehr sachbezogen präsentiert sich euch das Tutorial, denn manche Infos werden euch zum Beispiel nur in Textform präsentiert. Erfahrene Veteranen werden es sowieso überflüssig finden, für Einsteiger ist es aber definitiv zu kurz geraten.
So schnell die Einführungsveranstaltung absolviert wurde, so schnell geht es gleich auch zum ersten Online-Einsatz. Wartezeiten auf Matches sind hier ziemlich kurz und schnell findet man sich auf dem Schlachtfeld wieder.
MAG scheint hier schon seine Versprechen einhalten zu können. Es gibt ruckelfreie Multiplayeraction mit zahlreichen Spielern. Kleine Brierfings erklären euch kurz, welche Ziele euer Auftrag hat. Zunächst erwartet euch hier der Standard an Shooter-Missionen: Halten, Zerstören, Abknallen. In MAG nennen sich die Modi Unterdrückung, Sabotage, Übernahme und Herrschaft.
Die weiteren Missionen im Spiel sind zum Teil sehr komplex und bedienen nicht das Klischee von den „Alles ausradieren was geht!-Missionen“ anderer Genrevertreter. Mal gilt es neue Panzer zu kapern oder strategisch wichtige Punkte zu erobern.
Werde Leader!
Für jeden Abschuss und das erfolgreiche Abschließen einer Mission gibt es Punkte. Mit steigendem Level erhaltet ihr Zugriff zu neuen Waffen und Equipment. Mit erworbenen Credits könnt ihr euch zudem individualisieren, indem ihr weitere Ausrüstung dazukauft. Eure Erfahrungspunkte könnt ihr außerdem in die Spezialisierung eurer Fähigkeiten investieren. Skills, wie der Umgang mit Scharfschützengewehren oder Körperabhärtung, geben euch den entscheidenden Vorteil, wenn ihr als Sniper oder Sturmkämpfer in die Schlacht geht. Leider leidet gerade zu Beginn die Übersicht über Ziel und Zweck der Missionen. Anfänger werden sich die ersten Stunden daher etwas schwierig tun, den Anweisungen zu folgen und punktebringende Siege zu erringen. Unfair ist auch, dass man sich mit teils übermächtigen Gegnern konfrontiert sieht. Wenn man zum vierten Mal hintereinander von einem hochgelevelten Sniper mit seiner Überwumme abgeschossen wird, kann das ziemlich nerven.
Wer das 15. Level erreicht hat, kann sich vor jeder Mission als Anführer bewerben und sich als Leader einen Namen im Spiel machen. Als Anführer heimst ihr dementsprechend Erfahrungspunkte ein und erstreitet euch so weitere Ränge. Seid ihr ein erprobter Veteran, könnt ihr eine Karriere bis zum Oberkommandeur machen und euch als Anführer einer Kampfstarken Truppe etablieren.
Ein weiteres gelungenes Feature, sind die verschiedenen Ausrüstungstypen. Ihr dürft eure eigenen Waffen- und Panzerungskombinationen zusammenstellen, zwischen denen ihr während der Schlachten wechseln könnt. So seid ihr eben noch der Sniper und im nächsten Moment schon als Frontschwein ausgestattet. Das gibt dem Spiel Dynamik und taktische Tiefe. Solltet ihr mal mit einer Strategie nicht weiter kommen, wechselt ihr einfach eure Waffen nach dem nächsten Kill und probiert etwas anderes. Leider zeigt sich das Spiel in Sachen Steuerung nicht so benutzerfreundlich und individuelle Einstellungsmöglichkeiten gibt es nicht.
Zweihundertsechsundfünfzig
256 Spieler auf dem Schlachtfeld, die Hälfte davon eure Verbündeten. Also 128 Spieler auf einmal im Teamspeak? Das kann doch nicht gut gehen. Zipper Interactives geschickte Lösung: Ihr seid jeweils in 8er Teams/Squads unterteilt und untersteht eurem jeweiligen Kommandeur. Eure Leader unterstehen wiederum einem Oberkommandanten. In einem so kleinen Kreis kommuniziert es sich besser, als mit bis zu 128 anderen Kameraden. Und so läuft auch die Abstimmung in der Regel gut ab.
Die Community ist jetzt schon gut sehr gut besucht. Auf Matches braucht ihr also nicht lange zu warten. Binnen weniger Sekunden schon seid ihr mitten in der Schlacht und der Kampf um die Ranglisten kann losgehen. Denn der Wettbewerb der drei Fraktionen untereinander ist ständig heiß, vor allem da die Siege der jeweiligen Parteien ständig aktualisiert werden. Bringt also eurem Arbeitgeber Ruhm und Ehre und erstreitet Siege für ihn.
Und die Rüstung?
Was können wir vom grafischen Gewand eines Shooters erwarten, der für bis zu 256 Spieler konzipiert wurde? Auf jeden Fall keinen Totalausfall. Zipper Interactive beweist auch hier, dass sie die Spielerzunft nicht enttäuschen aber auch nicht begeistern wollen. Die Engine läuft flüssig, sauber und fehlerfrei. Aber eine wirkliche Konkurrenz zu optischen Leckerbissen wie Modern Warfare 2 oder Killzone ist MAG leider nicht geworden. Die PS3-typischen blassen Farben dominieren das Spiel und vom Detailgrad her gibt es derzeit bei weitem bessere Shooter, allerdings nicht mit so vielen Spielern. Trotzdem, das Spiel läuft in den meisten Situationen flüssig und darauf kommt es bei flotter Multiplayeraction an. Ein nicht gerade bebender THX Dolby Digital Sound und eine mit halbem Dampf gesprochene deutsche Synchronisation stellen den akustischen Grundbau des Spiels.