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Strikte Richtlinien und Embargos für Journalisten und ein Boykott der amerikanischen Presse. „Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots“ verbuchte im Vorfeld seiner Veröffentlichung nicht nur positive Schlagzeilen. Sei’s drum, jetzt ist Snakes PS3-Debüt und gleichzeitiger Abschluss der Saga endlich im Handel und wir haben sie: Alle Fakten, Kritikpunkte und des Rätsels Lösung um die vermeintlichen 90-minütigen Cut-Sequenzen. Also nicht lange fackeln und unser XXL-Review studieren.
Ergrauter Kriegsveteran
So langsam gehört es zu den Grundprinzipien einer jeden PS3-Entwicklung: Der zu Beginn durchgeführte Installationsprozess. Wo im Vorfeld noch gemutmaßt wurde, MGS 4 würde die benötigten Daten während der ersten Zwischensequenzen ganz subtil im Hintergrund auf die Festplatte hieven, müsst ihr vor Spielbeginn nun doch eine rund 6-minütige Installation über euch ergehen lassen und Snake dabei zuschauen, wie er gemächlich eine Zigarette pafft. Zwischen den Akten gibt es ebenfalls noch kurze Installations-Brocken. So, jetzt aber genug gemeckert. Spätestens nach diesem Prozess dürft ihr eure schweißgebadeten Hände an das Gamepad legen und den krönenden, lang erwarteten Abschluss einer Saga erleben…
Was zunächst ins Auge sticht, ist dass Solid Snake zum ziemlichen Greis gealtert ist. Das liegt nicht etwa daran, dass MGS 4 lange nach „Sons of Liberty“ angesiedelt ist, sondern der Hauptakteur an einem Syndrom leidet, das ihn schnell altern lässt. Aufgrund seiner Erkrankung hat er nur noch ein Jahr zu leben. Damit allerdings nicht genug: Unter dem Vorwand, als UN-Beauftragter in den Nahen Osten zu reisen, macht Snake noch immer Hatz auf seinen Erzfeind Liquid Ocelot. Der ist fest entschlossen, im 21. Jahrhundert mit seinen Private Military Companies (PMCs) einen globalen Krieg anzuzetteln. Die fünf mächtigsten PMCs stehen unter der Fuchtel der Organisation „Outer Heaven“, die – Serienkenner werden es längst erahnen - Ocelot anführt.
Um seinen Erzfeind in die Knie zu zwingen, reist Snake einmal um den gesamtem Globus. Von Osteuropa, über Südamerika bis hin in den Nahen Osten. In letzerem Kriegsgebiet angekommen, tobt bereits ein erbitterter Krieg zwischen den Guerillas und den PMCs. Trümmer und verfallene Bauten zeichnen das zermürbte Schlachtfeld, begleitet von einer melancholischen und herzzerreißenden Sounduntermalung. Einfach hervorragend, was die Komponisten in dramaturgischer Hinsicht geleistet haben und in welchem Ausmaße sie den Spieler regelrecht mitfühlen lassen.
Auch das übrige Storytelling erreicht locker Hollywood-Status und könnte glatt als Movie-Blockbuster in die Lichtspielhäuser gelangen, nicht nur aufgrund der dichten Atmosphäre, die hier aufgebaut wird, auch wegen des enormen Spannungsgehaltes der Zwischensequenzen. Teilweise sitzt ihr mehr als eine halbe Stunde vor dem Bildschirm, ohne aktiv ins Spielgeschehen einzugreifen. Die Zeit vergeht aber wie im Fluge, es wird nie langweilig, Kojima weiß, wie man den Zuschauer unterhält. Emotionen bringt der Metal Gear-Schöpfer exzellent zum Ausdruck, lässt den Spieler mitfühlen, trauern und zaubert ihm stellenweise die Tränen ins Gesicht. Zusätzlich werden sämtliche aufgeworfene Fragen der Vergangenheit beantwortet. Da wir an dieser Stelle aber nicht spoilern wollen, verzichten wir hier auf weiterführende Ereignisse der Rahmenhandlung.
Stealth oder Action? Ihr habt die Wahl.
Die Geschichte umfasst insgesamt fünf Akte. Vor jeder Mission wird euch der aus früheren Teilen bekannte Otacon per Funk zugeschaltet und informiert euch über den anstehenden Auftrag. Prinzipiell bleibt Konami auch im vierten Ableger den Serien-Wurzeln treu und präsentiert MGS 4 als spannend inszenierten Stealth-Knüller, bei dem ihr in die Haut von Raubein Solid Snake schlüpft. Trotz seiner krankheitsbedingten Alterung ist er nach wie vor der Virtuose unter den Geheimagenten: Er schleicht, robbt, klettert und hangelt sich an zerfallenen Häuserbauten entlang, liquidiert seine Feinde auf lautlose Weise und hat zu diesem Zweck allerlei Gadgets und Wummen im Gepäck. Dass dabei die Steuerung im ersten Moment überfrachtet erscheint, ist ein Trugschluss.
Wie ihr eine Mission angeht, bleibt größtenteils euch überlassen. Ob ihr nun auf leiser Sohle oder in rüder Rambo-Manier zu Werke geht, Hideo Kojima gestattet beides, wobei das Anschleichen mehr oder weniger Snakes Spezialität sein sollte. Er kann sich im Laufe der Handlung sogar auf die Seite einer Partei schlagen und mit ihnen kooperieren. Aber auch im offenen Gefecht zeigt sich Snake nicht zimperlich. Dank seiner schweren Kaliber schickt der Videospielopa seine Gegner problemlos ins Jenseits. Daneben hat Snake noch andere Möglichkeiten, Feinde auszuschalten. Beispielsweise schleicht ihr euch mit gezogener Waffe an einen PMC-Soldaten heran, woraufhin Snake mit den Worten „Freeze“ diesen außer Gefecht setzt. Um die metallischen „Geckos“ solltet ihr hingegen einen großen Bogen machen. Selbst wenn ihr euch für die Rammbock-Methode entscheidet, braucht ihr nicht zwangsläufig in den offenen Patronenhagel rennen, sondern habt die Möglichkeit, euch hinter halb zusammengefallenen Planken und Straßensperren zu verkauern. Doof: Oben über eine Deckung heraus schießen könnt ihr nicht. Das ist ein deutlicher Rückschritt im Vergleich zu Konkurrenz-Titeln.
Oder Rambo...
Entscheidet ihr euch für den betulichen Weg des Schleichens, kommt ihr mit deutlich weniger Munitionsverschleiß aus, müsst aber ständig auf die wachsamen Augen der patrollierenden PMC-Soldaten achten. Vergleichbar mit dem Tarnanzug aus „MGS 3: Snake Eater“ und unerlässliches Gadget ist das „OctoCamo“. Hierbei handelt es sich um eine Kluft, die Struktur, Muster und Farbe der Umgebung adaptieren und entsprechend darstellen kann. Somit wirkt Snake quasi unsichtbar. Das funktioniert praktisch automatisch. Wollt ihr mit der Umgebung „verschmelzen“, legt ihr euch im besten Fall auf den Boden, woraufhin der Camouflage-Anzug dessen Konturen annimmt. Eine Prozentanzeige illustriert nun, wie gut ihr verborgen seid. Befindet ihr euch im Lichtkegel, sinkt die Anzeige, im Schatten habt ihr dagegen bessere Chancen, unentdeckt zu bleiben. In der Theorie ist das OctoCamo ein sinnvolles Spielelement, in der Praxis ist das Gadget aber erst ab dem dritten der vier von Beginn an verfügbaren Schwierigkeitsgrade wirklich von Nutzen. Denn ansonsten kann man sich genauso gut durch die Gegner-Reihen ballern, zumal diese nicht immer die Schlauesten zu sein scheinen.
Als kleine Entschädigung habt ihr euren MK.II im Repertoire. Das ist mobiler Roboter, mit dem ihr ganz komfortabel ein Gebiet ausspähen könnt. Außerdem verpasst der kleine Hightech-Helfer Gegnern Elektroschocks und sammelt Waffen gefallener Soldaten ein.
Psychisch labil
Eine entscheidende Rolle spielen Snakes Psyche sowie sein Stressfaktor: Wird er ertappt, schießt diese Anzeige in die Höhe. Die Psyche-Anzeige wird anhand von vier Balken unter der Lebensanzeige symbolisiert und steht in direktem Zusammenhang mit eurem Stress-Faktor. Ein Beispiel: Muss Snake schwere Ausrüstung tragen, trabt er durch lodernde Flammen, oder friert er, steigt die Stress-Anzeige. Davon betroffen ist mit der Zeit auch die Psyche und euer Heroe wird nervöser und zielt unter Umständen ungenauer. Damit ein solcher Vorfall möglichst vermieden wird, solltet ihr nicht euer Solid Eye außer Acht lassen. Diese einer Augenklappe ähnlich sehende Mehrzweckbrille verrät Snake stets die aktuelle Position seiner Feinde. Ebenfalls hilfreich: Der Bedrohungsring. Dieser symbolisiert quasi Snakes Intuition und gibt Auskunft darüber, ob sich gegenwärtig Feinde oder gegnerische Fahrzeuge in unmittelbarer Nähe befinden.
Eine große Hilfe im Kampf gegen Feinde ist zudem Drebin, dem ihr schon sehr früh im Spiel begegnet. Der mobile Waffengroßhändler stellt eine Art Shop dar, in dem ihr euch jederzeit mit Munition und Health-Kits eindecken könnt. Außerdem „wäscht“ er gesperrte ID-Waffen, die ihr aufhebt. Im Großen und Ganzen macht Metal Gear Solid 4 in Sachen Gameplay alles richtig, was nötig ist, um den Spieler in der rund 20-stündigen Hauptstory nicht zu langweilen.
Der Grafik-Burner schlechthin?
Eine wichtige Frage, die vor allem die Technik-Spezialisten unter euch interessieren dürfte: Lässt sich Metal Gear Solid 4 in einer Auflösung von 1080p darstellen? Die Antwort: Nein, das Spiel unterstützt „nur“ eine native Auflösung von 720p und wird von der PS3 hochskaliert. Das sieht der Laie aber nur auf den zweiten Blick, auch trotz der geringeren Auflösung sieht MGS 4 schlicht und ergreifend grandios aus. Die geschmeidigen Charakter-Animationen und die authentische Mimik machen einiges her, die verfallenen Städte wirken verdammt echt und die Effekte sind ein wirklicher Eyecatcher. Wenn eine Granate neben Snakes Füßen einschlägt, wird ordentlich Staub aufgewirbelt, was einfach nur prächtig aussieht. Ganz frei von Schnitzern ist das Spiel dann aber doch nicht. Etwa sind die Zwischensequenzen sporadisch von Rucklern geprägt. Das kommt aber nur ganz selten vor und lässt sich durchaus verschmerzen. Etwas mehr ins Gewicht fallen da schon die teils kargen Texturen an Häuserbauten und Fahrzeugen.
Beim Sound entfacht Konami einen Klang-Opus wie wir ihn noch nie zuvor in einem Videospiel gehört haben. Melancholische Kompositionen korrespondieren mit fetzigen Schuss- und Explosions-Geräuschen. Die mit deutschen Untertiteln versehene englische Sprachausgabe wurden dank professioneller Sprecher exzellent umgesetzt. Nur kleinere deutsche Rechtschreibfehler hätten nun wirklich nicht sein müssen!
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